Reviews

Folias - Spanish music for harpsichord from the 17th century

Philippe Ramin (in "Diapason", March 2014, french Original & german translation):

 

"Le répertoire qui succède à Cabezon, le fondateur de l’école de clavier espagnole, est relativement discret au disque et au concert. Du moins au clavecin : les organistes ont davantage documenté ce répertoire prolixe et divers, où la rigueur des formes peut faire supposer une certaine froideur émotionnelle. Rien de tel avec Lydia Maria Blank.

La jeune femme a opté pour un instrument d’inspiration italienne réalisé par Christian Fuchs ; son registre aigu merveilleusement rond, sa large étendue sont en parfaite adéquation avec cette écriture.

L’écoute du vaste Tiento du premier ton d’Arauxo donne une idée précise du très haut niveau artistique du récital ; la construction de ces dix minutes de contrepoint à variations se révèle éblouissante. La claveciniste façonne en matière résonnante les diminutions virtuoses et suggère ainsi la dimension mystique de l’expérience musicale.

Dans le registre de la méditation (Gallardas de Cabanilles), elle excelle à détailler les multiples plans sonores comme si cela allait de soi, sans laisser paraître le moindre effort; les riches résonances de l’instrument sont mises à profit. La technique regorge de moyens expressifs et mène le clavecin vers une profondeur de sentiment passionnante.

Peu fréquentées par les claviéristes, les Variations sur la folia de Ximenez révèlent des beautés singulières soulignées par Lydia Maria Blank qui possède des qualités d’élégance et de caractérisation, et sait aussi éviter tout cliché.

La musicalité de la jeune interprète, la splendeur de l’instrument et l’aboutissement remarquable du projet nous comblent."

 


"Das Repertoire in der Nachfolge von Cabezon, dem Gründer der spanischen Musik für Tasteninstrumente, ist relativ selten auf CD und im Konzert zu hören. Zumindest auf Cembalo: Organisten haben dieses reichhaltige und vielfältige Repertoire öfters eingespielt, wobei die Strenge der Formen eine gewisse emotionale Kälte unterstellen könnte. Nicht so bei Lydia Maria Blank.

Die junge Interpretin hat sich für ein italienisch inspiriertes Instrument von Christian Fuchs entschieden; seine wunderbar runden Höhen, sein lang nachklingender Ton stehen in perfekter Harmonie zu dem Stil dieser Musik.

Beim Hören des großangelegten Tientos im ersten Ton von Arauxo erhält man eine präzise Vorstellung vom sehr hohen künstlerischen Niveau dieser Einspielung. Der Aufbau dieser 10 Minuten verschiedenartigen Kontrapunkts erweist sich als überwältigend. Die Cembalistin formt die virtuosen Diminutionen auf klangvolle Weise aus und suggeriert so mystische Dimensionen des musikalischen Erlebens.

Im meditativen Bereich (Gallardas von Cabanilles) gelingt es ihr auf überzeugende Weise, die verschiedenen Klangebenen so herauszuarbeiten, als ob dies von ganz alleine geschähe, ohne die geringste Anstrengung erkennen zu lassen; die reichen Resonanzen des Instruments werden ins beste Licht gerückt. Ihr Spiel ist voller Ausdruck und führt das Cembalo in die Tiefe  leidenschaftlicher Emotionen.

Allgemein wenig gespielt, offenbaren die Variationen über die Folia von Ximenez eine ganz eigene Schönheit, die von Lydia Maria Blank hervorgehoben wird. Diese verfügt über Eleganz und Charakterisierungskunst, und versteht es, jedes Klischee zu vermeiden.

Die Musikalität der jungen Interpretin, die Pracht des Instrumentes und das bemerkenswerte Ergebnis der Einspielung beglücken uns vollkommen."

                           

 

 

Trabaci - Opere per clavicembalo


Stephen Midgley (on: Amazon (US & UK), 27.03.2015)
5.0 out of 5 stars A treat for baroque enthusiasts
This is a superb recital of selected keyboard works by the Neapolitan composer Giovanni Maria Trabaci (c. 1575-1647). He was organist at the Royal Court Chapel in Naples, an outstanding centre of music under Spanish rule, and he wrote prolifically for organ and keyboard. Lydia Maria Blank here offers a finely judged and organised selection of Ricercari, Canzoni, Toccate, variations and dance-based movements from Trabaci's two books of keyboard works.

Immediately evident from the very first notes is the tonal beauty of the harpsichord, a lovely copy by Christian Fuchs after 18th-century Italian models. Its sound is beautifully captured in the recording and, still more importantly, Ms Blank is clearly a master of baroque keyboard style with an individual, inventive and highly communicative approach throughout the twenty works offered here. The first item, Gagliarda Prima detta La Galante, is one of a number of lively and varied dance pieces, many of them in several episodes and all highly engaging in melody and harmonies.

The more contemplative pieces such as the toccate and ricercari are just as lovely. Especially fine are the contrapuntal works, the canzoni and ricercari - splendid, entrancing works and genuine masterpieces of the keyboard art which, since this was my first serious contact with the composer, were a revelation to me. Among the finest here are Ricercar Nono Tono con tre fughe (track 5), Canzona Franzesa Terza (6), Ricercar Sesto Tono Cromatico (14) and, my own personal favourite, Ricercar Quarto Tono con tre fughe & suoi Riversi (8). The two Partite, substantial sets of variations, are also superb pieces - 'variations' is putting it mildly because the thematic material is elaborated with great imagination. The 'Partite sopra Rugiero' (19), on a well-known, stately and mesmerising melody which often appears in the works of other Italian baroque composers, wanders far and wide from the original theme, with remarkable ingenuity and to entertaining effect. Even its opening statement is already a variation on the original, so to check on the basic melody it's useful to listen to one of its more straightforward (initially at least) manifestations in the hands of one such as Tarquinio Merula, where it's spelt 'Ruggiero'.

Lydia Maria Blank's personalised way with all these works is extremely engaging, stylish, with a touch of idiosyncracy that is enough to constantly hold the listener's attention. Every one of the works here is thematically interesting and enjoyable, and the whole programme is a delight from start to finish. I would recommend it without hesitation to enthusiasts of the keyboard.

 

 

Sèbastian Holzbauer (2011 in "Muse baroque" (5 Points): http://www.musebaroque.fr,

german translation of the french Original):

 

"Trabaci - ein Name, der klingt wie die zuckersüße Bezeichnung einer Stadt in Italien… Da erklingen die ersten Noten einer energischen und lächelnden Gagliarda unter dem farbigen und biegsamen Anschlag von Lydia Maria Blank, und lassen uns unwiderstehlich von Frescobaldi träumen. Trabaci, ein fruchtbarer Komponist, der seinerzeit für seine Tastenmusik berühmt war, und dessen Jugend geheimnisumwittert bleibt, Trabaci war schließlich Organist am Oratorio dei Filippini, und später in der Kapelle der Vize-Könige von Neapel. Lydia Maria Blank läßt diesem Komponisten Gerechtigkeit widerfahren, dem selten die Ehre einer ganzen CD-Aufnahme zuteil wird - wenn man von einigen Stücken aus dem ersten Buch absieht, die vor einigen Jahren wunderbar von Michèle Dévérité für Arion eingespielt wurden.

Die (hier) ausgewählten Werke stammen aus dem ersten und zweiten Buch von Trabaci, veröffentlicht 1603 und 1615, und decken eine lobenswerte Vielfalt an Gattungen ab. Man bewundert die kristallinen, leuchtenden Farben des perlenden Cembalos, dessen Optimismus die komplexe Strenge des Kontrapunkts versüßt in einer heiteren, ausgewogenen Interpretation  von erstaunlicher Leichtigkeit, ohne Prätention. So offenbart sich das kostbare Ricercar Nono Tono con tre fughe als durchsichtig, sehr schön skandiert, beinahe wie aus dem Lehrbuch, von natürlicher Anmut und fließender Geschmeidigkeit, während die Canzonen es wagen, sich davon durch ihre freimütigen und energischen Melodien abzusetzen – trotz eines abwechslungsreichen und spektakulär-dramatischen Stils  (Canzona Franzesa Terza oder Seconda virtuos mit ihren kurzen Abschnitten, Canzona Settima cromatica mit aufregenden Modulationen). Man sollte auch die beiden Glanzlichter der CD nicht mit Schweigen übergehen, die ausgedehnten Partiten: Die Partite sopra Fidele (italienische Unterart der Follia), anfangs von majestätischem Charakter, edel und weihevoll, von moirierter Eleganz, mit einer kleinen Spur Ironie in den Oktav- und Registerwechseln, die einen fröhlichen Einfallsreichtum hinter den respektablen Phrasierungskünsten erkennen lassen; die Partite sopra Ruggiero, luftiger und ziselierter, offenbaren in ihren Variationen sowohl die Meisterschaft des Komponisten, als auch diejenige der Interpretin in ihrer untadeligen Wiedergabe.

Lydia Maria Blank – diskret und manchmal virtuos – weiß im Verlaufe dieses Récitals ein farbiges und jubelndes Instrument wunderbar zum Klingen zu bringen, wobei sie ohne Gewalt die Kontraste von Tempi und Struktur betont, von einer bemerkenswerten Durchsichtigkeit im Kontrapunkt. Die Wiederentdeckung dessen, den sie als weit mehr als einen bloßen Vorläufer von Frescobaldi zu neuem Ansehen verhelfen möchte, gelingt ihr mit Überzeugungskraft und Brio."